200 Jahre Emanzipation durch Bildung – Alexander Haindorf und seine Vision
Vor 200 Jahren verband der jüdische Arzt, Pädagoge, Kunstsammler und Bildungsreformer Alexander Haindorf mit Bildung eine weitreichende gesellschaftliche Vision. 1825 gründete er in Münster einen Verein, aus dem eine Schule, ein Lehrerseminar und die Förderung jüdischer Handwerksausbildung hervorgingen. Bildung sollte Jüdinnen und Juden gesellschaftliche Teilhabe und Gleichberechtigung ermöglichen.

Haindorf bezeichnete sein Ziel mit einem heute ungewöhnlich klingenden Begriff: „Amalgamierung“. Jüdische Tradition und die von ihm als christlich und deutsch verstandene bürgerliche Kultur sollten miteinander verbunden werden. Darin liegt eine bis heute spannende Ambivalenz: Ging es um Begegnung und gegenseitige Bereicherung – oder verlangte Emanzipation zugleich Anpassung an die Mehrheitsgesellschaft?
Das Symposium am 15. und 16. Oktober 2026 nimmt Haindorfs Leben, seine Zeit und seine Bildungsvision in den Blick. Zugleich verfolgt es die Geschichte der Marks-Haindorf-Stiftung und ihres Hauses am Kanonengraben 4 als Ort jüdischer Bildungs-, Verfolgungs- und Erinnerungsgeschichte. Haindorfs Wirken als Sammler und Stifter kommt ebenso zur Sprache wie die Frage nach interkultureller Bildung heute.
So verbindet das Symposium jüdische Bildungs- und Stadtgeschichte Münsters mit einer Frage, die auch nach 200 Jahren aktuell bleibt: Wie können Menschen dazugehören, ohne ihre Unterschiede aufgeben zu müssen?
Donnerstag, 15. Oktober, bis Freitag, 16. Oktober 2026
Senatssaal der Universität Münster (Schlossplatz 2)
Zum Programm (Seiten der Universität Münster)
Download des Flyers (Seiten der Universität Münster)
Anmeldungen bis 11. Oktober 2026 (Anmeldung verlängert) an ludger.hiepel@uni-muenster.de.
Ein besonderer Abend für Münster: Haindorf zu Gast im LWL-Museum
Am Abend des 15. Oktober 2026 wird aus dem wissenschaftlichen Symposium ein Ereignis für die ganze Stadt. Unter dem Titel „Nachgetragene Ehrung für Alexander Haindorf“ verbinden sich im Foyer des LWL-Museums für Kunst und Kultur Musik, Schauspiel und Geschichte zu einem besonderen Konzertabend.
Das Ensemble „Mendels Töchter“ interpretiert synagogale Lieder von Erich Mendel, der selbst am Marks-Haindorf’schen Lehrerseminar ausgebildet wurde. Und Alexander Haindorf kehrt für einen Abend auf die Bühne zurück: Der Münsteraner Schauspieler Jonas Riemer schlüpft in seine Rolle und lässt ihn mit seinen Ideen, Hoffnungen und Widersprüchen selbst zu Wort kommen.
So begegnen sich an diesem Abend Vergangenheit und Gegenwart, jüdische Musikgeschichte und Münsteraner Stadtgeschichte – an einem Ort, zu dessen kultureller Vorgeschichte Haindorf als Kunstsammler und Mitbegründer des Kunstvereins selbst beigetragen hat.
Donnerstag, 15. Oktober 2026 | 19:30 Uhr
Foyer im LWL-Museum für Kunst und Kultur Münster (Domplatz 10)
Eintritt frei | Eine Teilnahme am Symposium ist nicht Voraussetzung
